Mein Vorschlag für eine Definition von "Industrie 4.0"

Durch die Digitalisierung der Wirtschaft ist das Thema „Industrie 4.0“ derzeit in aller Munde. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Studien, dass viele (potenzielle) Betroffene bislang noch nichts davon gehört haben und mit dem Begriff wenig anfangen können. Mit interessierter Verwunderung las ich daher heute morgen in einem lesenswerten Beitrag von Thomas Linn (@TLinn_Visionico), dass der Branchenverband BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) ganze 134 Definitionen des Begriffs „Industrie 4.0“ listet.

Wikipedia definiert „Industrie 4.0“  wie folgt (Link zum Artikel):

Industrie 4.0 (auch Vierte industrielle Revolution) ist ein Begriff, der auf (…) ein gleichnamiges Projekt in der Hightech-Strategie der Bundesregierung zurückgeht. Er soll die Verzahnung der industriellen Produktion“mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik“ bezeichnen. Zentraler Befähiger und wesentlicher Unterschied zu Computer Integrated Manufactoring (demzufolge Industrie 3.0 genannt) ist die Anwendung der Internettechnologien zur Kommunikation zwischen Menschen, Maschinen und Produkten. Technologische Grundlage sind cyber-physische Systeme und das „Internet der Dinge“.

Diese Definition finde ich persönlich noch nicht so gelungen. Insb. die Bezeichnung als „Projekt der Bundesregierung“ erscheint mir fraglich, da die Digitalisierung m. E. eine marktseitige Entwicklung darstellt. Und da ich keine Lust habe, mir die übrigen 134 Erklärungen durchzulesen, folgt hier (eher nach „Working out Loud“-Prinzipien) mein Vorschlag für eine Definition:

Der Begriff „Industrie 4.0“ beschreibt vor allem den produktionsnahen Aspekt der digitalen Transformation der Wirtschaft, die – getrieben durch das „Internet der Dinge“ – die Vernetzung von technischen Anlagen, Maschinen und Geräten („intelligente Fabrik“) untereinander (über das Internet oder auch ein lokales Netzwerk) sowie mit der menschlichen Arbeit (z. B. in Form sog. cyber-physischer Systeme) entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglicht und so eine vollständige Verzahnung und Integration sowie eine weitgehende Automatisierung der Prozesse und Aktivitäten von der Aufnahme des Kundenbedürfnisses bis hin zu seiner Befriedigung durch individuelle Produkte und Leistungen sicherstellt.

Da diese Definition in aller Kürze entstanden ist (und vor allem Bestehendes neu miteinander kombiniert), freue ich mich auf Feedback und Anmerkungen hierzu!


Quelle des Artikelbilds: fotolia.de

8 Kommentare

  1. Super Definition!
    Optimierung sehe ich noch bei:

    …die technische Vernetzung von Anlagen, Maschinen und Geräten und die Verzahnung mit Menschen.

    Irgendwie so in diese Richtung.
    Eine Definition, die sich rein auf die technische Ebene bezieht fände ich nicht so ganzheitlich.

    VG
    Swen

    @SA_Ham

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    1. Guter Punkt! Denke ich am Wochenende mal drüber nach – vielen Dank!

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  2. […] Herausforderung der Industrie 4.0 (meinen Vorschlag für eine Definition dieses Begriffs gibt es hier) liegt darin, dass die Technik die Arbeit zugleich erleichtern, aber auch als zusätzlicher Stress […]

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  3. […] daher einer kurzen Abgrenzung dienen, ähnlich wie ich bereits in einem vergangenen Beitrag eine Definition von „Industrie 4.0“ vorgeschlagen […]

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  4. Die Vernetzung muss nicht notwendigerweise über eine Internet-Verbindung stattfinden. Ein LAN erfüllt diesen Zweck ebenfalls. Weiterhin würde mir persönlich die cyber-physischen Systeme fehlen, die mit einschließen, dass zwischen Framework, Maschine und Mensch interagiert wird.

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    1. Vielen Dank für Deine Anmerkungen – habe ich mit aufgenommen. Ich habe beides eher als Ergänzung verstanden, da die Definition ja erstmal nur aussagt, dass „Industrie 4.0“ durch die Entwicklung des IoT getrieben wird – nicht, dass die tatsächliche Vernetzung nur über das Internet stattfindet. Die cyber-physischen Systeme habe ich zudem als einen konkreten Anwendungsfall der Mensch-Maschine-Interaktion gesehen – ist das aus Deiner Sicht so korrekt?

      Beste Grüße
      Sebastian

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      1. Mir gefällt die obige Definition schon. Allerdings finde ich, dass sie für den Anspruch die Industrie 4.0 zu charakterisieren, etwas zu speziell gefasst. Was ich damit sagen will, ist die obige Variante gereinigt um die speziellen Anwendungsfälle erstellen und ich wäre damit glücklich, aber das ist nur meine Sicht der Dinge. Ich habe mir mal erlaubt die Definition vom NIST (National Institute for Standards and Technologie) anzuhängen:

        The enablers of Industrie 4.0 are the internet, mobile computing, and cloud computing technologies. A goal of Industrie 4.0 is the creation of innovations including smart products, smart production systems, smart factories, and smart logistics running in a decentralized and dynamic fashion.

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      2. Vielen Dank für den interessanten Verweis! Ich denke, jetzt verstehe ich unsere jeweiligen Perspektiven besser – m. E. haben wir ein unterschiedliches Verständnis des Begriffs „Definition“. Für mich ist nämlich die Erklärung des NIST KEINE Definition von Industrie 4.0. Eine Definition erklärt meinem Verständnis nach das „WAS“ einer Sache – also die Frage „Was genau ist Industrie 4.0?“. Die NIST-Erklärung beantwortet jedoch für mich lediglich die „WARUM“-Frage(n), nämlich: „Wieso ist Industrie 4.0 entstanden?“ (durch die Enabler) und „Wieso ist Industrie 4.0 wichtig?“ i. S. v. „Was soll dadurch erreicht werden?“ (die genannten Goals). In den inhaltlich vom NIST aufgeführten Punkten stimmen wir, denke ich, zu 100% überein… Die für mich interessante Frage, WAS genau Industrie 4.0 im Kern ausmacht, bleibt hier jedoch m. E. unbeantwortet.

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