"So anders sind wir doch gar nicht (mehr)!" – Der Einfluss der "Generation Y" auf New Work, Führung und Unternehmenskultur

Die „Ypsiloner“ sind längst kein Trendthema mehr: Die Generation Y ist – schon demografisch bedingt – in den Unternehmen angekommen. Gerade dies ist jedoch ein spannender Grund, um einmal genau hinzusehen, welche Veränderungen die „Millennials“ bislang ausgelöst und bewirkt haben. Fakt ist: Vorurteile über die „faule und bequeme“ Generation Y haben ausgedient. Durch eine zunehmende Integration der jüngeren Mitarbeiter in die Arbeitswelt gleichen sich viele Vorstellungen an die vorhergehender Generationen an. Was (anders) bleibt, ist jedoch ein verändertes Verständnis von Arbeit und Karriere!

Gerade in den vergangenen Wochen mehrten sich in meiner Twitter-Timeline Artikel, die ein Ende der inzwischen (vor allem durch pauschale Vorurteile) überstrapazierten Debatte um die Generation Y fordern. Exemplarisch habe ich zwei schöne deutsche und englische Beiträge von @saschalobo und @HRzone ausgewählt:

Auf dem Peak des „Generation Y“-Hypes waren pauschale Attribute, die den Millennials zugesprochen wurden, sicherlich hilfreich – denn Übertreibung dient bekanntermaßen der Verdeutlichung (von Unterschieden). Zahlreiche Vorurteile lösen sich jedoch mit einer zunehmenden Integration der Millennials in die Arbeitswelt auf. Aufgrund der Altersstruktur in Unternehmen sowie ihrer Anzahl und Ausbildung stehen sie jetzt an der Schwelle, in vielen Bereichen eine Führungsrolle zu übernehmen. Sie daher noch auf diese verallgemeinernden Attribute zu reduzieren, erscheint daher wenig sinnvoll, wie auch beispielhaft die Artikel von @buckmanngewinnt und @MarinaZet zeigen:


Hierzu habe ich auch bereits gebloggt: „Der Wunsch nach HomoGenYtät – verliert die Generation Y langsam ihr stereotypes Bild?“

Gleichzeitig gehen jedoch die Ansprüche der jüngeren Mitarbeiter-Generationen nicht spurlos an der Weiterentwicklung der neuen Arbeitswelt vorbei, die mit der Transformation von der Industrie- zur Wissensgesellschaft einhergeht. Das folgende Video zeigt anhand von Beispielen, wie Millennials die Kultur in vielen Unternehmen verändern.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=345&v=yFBUs4Mek88

Um diese Veränderungen weiter zu illustrieren, habe ich daher im Folgenden einige interessante Artikel des letzten halben Jahres zusammengefasst. Diese beschäftigen sich vor allem mit dem Einfluss der Millennials auf Führung, Unternehmenskultur und Karrieregestaltung sowie Mitarbeitergewinnung und -bindung.

Mein Fazit: Obwohl viele pauschale Vorurteile längst nicht mehr auf sie zutreffen, hat die Generation Y eine Veränderung der Arbeitswelt angestoßen und dabei einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf insb. Unternehmenskultur und Führung ausgeübt. Eine Veränderung in Richtung von mehr Partizipation und netzwerkartiger Zusammenarbeit lässt sich zumindest ansatzweise erkennen – und nicht mehr umkehren! Unternehmen tun daher gut daran, ihre Strukturen, Prozesse und Kultur im Hinblick auf mehr Individualität und Flexibilität zu hinterfragen, um Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung zu schaffen. Dabei sollten sie Veränderungen offen gegenüberstehen und vor allem auch den übergeordneten „Purpose“, d. h. den Sinn und Zweck des Unternehmens klar und transparent kommunizieren. Der Führung kommt in diesem Zusammenhang die Rolle eines „Enablers“ zu, der durch Feedback und Sparring auf Augenhöhe Räume für persönliche Entfaltung und Entwicklung aller Mitarbeiter schafft.


Übersicht der wichtigsten Artikel zum Thema „Generation Y“


Verständnis von Arbeit und Karriere

„Motivation & Mindset der Generation Y: Nur keine Angst!“

Fazit: Auch wenn es schon immer generationenbedingte Unterschiede gegeben hat und viele Attribute, die den Millennials zugeschrieben werden, zu pauschal sind, hat die Generation Y dennoch eine andere Definition von Leistung, Erfolg und Arbeit. Karriere hat für sie weniger mit Status zu tun als mit der Verwirklichung der eigenen Ziele, Träume und Visionen. Effizient zu arbeiten ist für sie entscheidend: 40 Stunden pro Woche im Büro zu verbringen ist für die Millennials kein Selbstzweck – Arbeitszeit ist Lebenszeit! Die Generation Y sucht zudem stärker nach dem Sinn in ihrer Arbeit. Um diesen zu finden, ist Experimentierten und das Lernen aus Fehlern aus Sicht der Millennials ein probates Mittel.

Link: http://berufebilder.de/2016/motivation-mindset-generation-12-angst/

„Generation Y – Zeiten ändern sich, Berufstätige auch, oder?“

Fazit: Geld, Urlaub und Freizeit sind lt. einer Studie von Manpower die drei zentralen Motivatoren der Ypsiloner in der Arbeitswelt – ebenso ist den Millennials jedoch auch ständige Weiterentwicklung und Veränderung wichtig. Von der oft kolportierten „Faulheit“ der kann jedoch keine Rede sein – die Generation Y plant, sogar länger zu arbeiten als Generationen vor ihr – ein Fünftel sogar über das 70. Lebensjahr hinaus. Ihre individuelle Karriere verläuft jedoch nicht mehr linear, sondern mit Zeiträumen für Selbstverwirklichung.

Link: http://blog.100000jobs.ch/de/2016/06/generation-y-zeiten-aendern-sich-berufstaetige-auch-oder/

„Millennials sind Langstreckenläufer: Was bedeutet das für Unternehmen?“

Fazit: Arbeit in wechselnden Projekten und Teams ist für Millennials wichtig, um den Aufbau von persönlichen Netzwerken und die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten gezielt zu fördern. Längerfristige Auszeiten als Gelegenheit für Fortbildung, Erholung und persönlicher Entwicklung sollten fester Bestandteil der Karrierepfade sowie der Unternehmenskultur werden.

Link: http://blog.zukunft-personal.de/de/2016/07/05/studie-millennials-sind-langstreckenlaeufer/


Einfluss auf die Mitarbeiterführung

„Interview mit Hannah Bahl: Wie Unternehmen sich für die Generation Y verändern müssen“

Fazit: Die Unterschiede zwischen der Generation Y und den anderen Arbeitnehmern sind tatsächlich gar nicht so groß, die Millennials artikulieren diese nur offensiver, was bei vielen Unternehmen zu „Schluckbeschwerden“ führt. Ständiges Reflektieren und Hinterfragen ist eine zentrale Eigenschaft der Millennials; ein klarer Abgleich der gegenseitigen Erwartungen ist daher wichtig für ihre Zufriedenheit. Das jährliche Mitarbeitergespräch reicht dafür jedoch nicht aus, stattdessen sind permanente Kommunikation und Feedback wichtig. Die Werte des Unternehmens und seine Rolle in der und für die Gesellschaft sind den Ypsilonern wichtig. Sie wünschen sich zudem digitale Vernetzung, Transparenz und Offenheit sowie eine stärker kollaborative statt hierarchischer Führung.

Link: http://www.wiwo.de/adv/capgemini/interview-mit-hannah-bahl-wie-unternehmen-sich-fuer-die-generation-y-veraendern-muessen/13748854.html

„Millennials: The New Leadership 101“

Fazit: Die Führung von Millennials erfordert ein neues „Leadership-1×1“, dessen Leitgedanke ein positiver Beitrag für die Gesellschaft ist. Neben den finanziellen Aspekten des Business sollte ein besonderes Augenmerk auf die Qualität der angebotenen Produkte und Leistungen sowie die Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit gelegt werden. Führung sollte zudem das „große Ganze“ hinter möglichen Einzelzielen betonen, auf persönliche Wertvorstellungen eingehen und den sozialen Austausch in den Mittelpunkt stellen.

Link: https://www.thindifference.com/2016/02/millennials-the-new-leadership-101/

„How To Manage Millennials (or A very very very long article about change and how scary it can be)“

Fazit: Um die Generation Y adäquat zu führen, ist es wichtig, anzuerkennen, dass Millennials wichtige, ergänzende (technologische) Kompetenzen mitbringen und diese auch wertzuschätzen. Es ist für Führungskräfte zudem wichtig, sich Zeit zu nehmen, um sich individuell mit den persönlichen Vorstellungen ihrer jungen Mitarbeiter auseinanderzusetzen. Zudem sollten Führungskräfte über eine hinreichende Emotionale Intelligenz verfügen, sich möglicher eigener Vorurteile klar zu werden, diese zurückzustellen und dafür lieber Fragen stellen und zuhören – selbst wenn diese aufgrund von fehlender Erfahrung manche Dinge noch nicht hinreichend einschätzen und beurteilen können.

Link: http://www.huffingtonpost.com/rena-delevie/how-to-manage-millennials_b_11114838.html


Einfluss auf die Unternehmenskultur

„Millennials wollen die Welt schon im Job verbessern“

Fazit: Die Generation Y wird die Unternehmenskultur von morgen prägen. Die Bezahlung und sinnvolle Gestaltung der Arbeitszeit sehen Millennials im Job als selbstverständlich an: Sie streben danach, sich für einen größeren Zweck zu engagieren – nicht jedoch für ein einzelnes Unternehmen! Millennials haben dabei einen breiteren Kulturbegriff, der auch den Zweck und das Engagement des Unternehmens umfasst. Daher sollten Sie auf Unternehmensebene, bereichsbezogen und bzgl. ihrer individuellen Vorstellung intensiv in die Gestaltung der Kultur einbezogen werden.

Link: https://editionf.com/millennials-wollen-welt-schon-job-verbessern

„Motivating Millennials Takes More than Flexible Work Policies“

Fazit: Flexible Angebote zur Arbeitsgestaltung sind zwar für die Rekrutierung von Millennials hilfreich, haben jedoch nur geringe Auswirkungen auf Mitarbeiterbindung und Engagement. Hierfür werden eine sinnvolle Vision, offene Kommunikation, technologiegestützte Zusammenarbeit sowie ein Mitunternehmertum förderndes Arbeitsumfeld und eine hierarchiearme Unternehmenskultur benötigt.

Link: https://hbr.org/2016/02/motivating-millennials-takes-more-than-flexible-work-policies?utm_content=bufferc8229&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer

„4 Reasons to Embrace Millennial Values in Change Management“

Fazit: Keine Generation kann besser mit Change umgehen als die Millennials, da sie mit permanenten Veränderungen aufgewachsen sind. Um Wandel erfolgreich umzusetzen, können Unternehmen daraus lernen, dass sich eine Organisation nur schwer verändern lässt, wenn sie nicht von innen heraus dazu bereit ist. Außerdem sollte Change nicht ein einmaliges Projekt sein, sondern selbstverständlicher Teil der Kultur werden, damit er als weniger stressbeladen und negativ empfunden wird.

Link: https://www.entrepreneur.com/article/271741


Einfluss auf Mitarbeitergewinnung und -bindung

„Why Millennials Have no Problem Quitting Their Jobs“

Fazit: 44% der Millennials beabsichtigen, ihren Arbeitgeber in den nächsten 2 Jahren zu wechseln. Durch Geld alleine lassen sie sich nicht an ein Unternehmen binden, sondern wollen ihre Stärken gezielt einsetzen sowie sich fachlich und persönlich weiterentwickeln.

Link: http://fortune.com/2016/01/29/millennials-quit-jobs/?utm_content=bufferf1c9a&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer

„Digital Recruiting: Wie Unternehmen der Generation Y entgegenkommen können“

Fazit: Bzgl. der Gestaltung der Arbeitsbedingungen ist es für Unternehmen lohnenswert, auf die Anforderungen der Generation Y einzugehen. Dabei steht vor allem die Flexibilität und Individualität des Angebots im Vordergrund. Wichtige Trends, mit denen sich Unternehmen bzgl. der Gewinnung von Mitarbeitern aus der Generation Y auseinander setzen sollten, sind die Digitalisierung der Recruiting-Prozesse, Cultural Fit und Social Recruiting.

Link: https://www.whatchado.com/blog/digitaler-wandel-recruiting-auf-social-media-und-karriere-plattformen/?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

Ich wünsche viel Spaß und spannende Erkenntnisse beim Lesen dieses Posts und der weiterführenden Artikel und freue mich auf Feedback und den Austausch mit Ihnen!


Quelle des Artikelbilds: shutterstock

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