Mein Fazit der Zukunft Personal 2016, Teil 1: „Jede Jeck ist anders!“ – Warum es kein Patenrezept für „Arbeiten 4.0“ gibt

An zwei spannenden Tagen auf dem größten europäischen HR-Event, der „Zukunft Personal 2016“ in Köln, konnte ich viele Erkenntnisse und Impulse mitnehmen, die ich an dieser Stelle gerne teilen möchte. Die #ZP16 stand in diesem Jahr unter dem Motto „Arbeiten 4.0 – the employee experience“ – daher möchte ich vor allem 4 Vorträge und Diskussionen hervorheben, die aus meiner Sicht besonders interessante Einblicke in die Arbeitswelt von morgen liefern konnten. Zudem möchte ich auch 3 Formate nicht unberücksichtigt lassen, die aus meiner Sicht für eine tolle Abrundung des Events sorgten: Die HR-Night am 1. Abend, die Blogger-Lounge sowie das StartUp Village.

Anmerkung: Damit der Post nicht zu lang wird, werde ich mich im ersten Teil auf die inhaltlichen Vorträge konzentrieren und in einem 2. Teil mein Fazit zu den übrigen Formaten teilen…

Das Erweiterung des kölschen Grundgesetzes „Jede Jeck ist anders“ beschreibt aus meiner Sicht überraschend treffend die wichtigste Erkenntnis bzgl. der Neugestaltung der Arbeitswelt. Impulse zum Thema „Arbeiten 4.0“ lieferten für mich daher vor allem der Vortrag von Thomas Sattelberger zur Transformation der Arbeitswelt, der Vortrag von Isabell Welpe über Digital Leadership sowie die von Sven Franke moderierte New Work-Diskussion und zuletzt das auf der Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“ aufsetzende Panel mit einem Impulsvortrag von Frank Schomburg. Im Folgenden möchte ich die zentralen Ergebnisse der 4 Veranstaltungen vorstellen. Weitere Zitate und Meinungen einzelner Protagonisten sowie einzelne Folien finden Sie bei Interesse auf meinen Twitter-Accounts @bastihollmann und @HRStrategieBlog. Wer meine letzten Blog-Beiträge gelesen hat, weiß bereits, dass mir ein ganzheitlicher Blick auf das Thema „New Work“ bzw. „Arbeit 4.0“ wichtig ist. Ich habe daher bewusst diese 4 Events herausgesucht, da hier aus meiner Sicht sehr schön alle 3 relevanten Ebenen der New Work-Diskussion beleuchtet werden: 1. WARUM ist New Work notwendig? 2. WAS genau umfasst New Work? und 3. WIE kann New Work in Organisationen umgesetzt werden?

Eine neue Arbeitswelt als Antwort auf die „kulturelle Verluderung“ von Organisationen

Gewohnt provokant wetterte der ehemalige Top-Manager und Personalvorstand Thomas Sattelberger (@th_sattelberger) in seinem Vortrag „Soziale & technologische Innovation – Pfade der Transformation“ gegen die bestehenden Firmen-Autokratien, die den Blick für Sozialpartnerschaft und Mitarbeiter-Partizipation verloren haben. Mit einem schönen Zitat von GE-Chef Jeff Immelt illustrierte Sattelberger den Change, dem sich alle Organisationen derzeit unweigerlich ausgesetzt sehen:

„You go to bed as an Industry Company and you wake up as a Software Company!“

Gleichzeitig arbeitete Sattelberger mit einem mahnenden Augenzwinkern die Herausforderungen heraus, denen sich Unternehmen in diesem Transformationsprozess gegenübersehen: „Der VW-Skandal ist die Götterdämmerung der Firmen-Autokratien (…) doch auch Unternehmen haben ein Recht zu sterben!“

Sattelberger betonte, dass es für eine Transformation drei mögliche „Zünder“ gebe: Die gemeinsame Not, den gemeinsamen Feind oder die gemeinsame Vision. Letztere sei notwendig, um die Mitarbeiter für den Wandel zu begeistern und die Energie aller Betroffenen positiv zu nutzen. Dafür sei es jedoch unverzichtbar, alte Denkstrukturen und Muster über Bord zu werfen und Experimente bewusst zuzulassen. Welche Formate Unternehmen dafür zur Verfügung stehen, zeigt die folgende Folie aus Sattelbergers Vortrag zu möglichen „Trampelpfaden der Transformation“:

sattelberger

Thomas Sattelberger spricht über Strategien zum Umgang mit der Digitalen Transformation

„Neue Normalzustände“ als zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Digitalen Transformation

Auch Prof. Dr. Isabell Welpe (@IsabellWelpe) von der TU München betonte in ihrem Vortrag „Digital Work Design and Leadership: Wie die Digitalisierung Arbeit und Führung verändert“ die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Veränderung von Unternehmen, um mit den disruptiven Veränderungen des Marktes Schritt zu halten. Dabei warf sie nach Sattelbergers Reflexion der Praxis einen wissenschaftlichen Blick auf die Voraussetzungen und Strategien zum Umgang mit der Digitalen Transformation. Führungskräfte benötigen neben Kreativität vor allem auch „Freude am Kontrollverlust“, was den besonderen Wert von Vertrauen im Rahmen der virtuellen Social Collaboration betont.

welpe

Prof. Dr. Isabell Welpe zeigt mögliche neue Defaults der digitalen Organisation auf

Ebenfalls aus der Führungs-Perspektive blickte das von Sven Franke (@svenfranke, Mit-Initiator der „Augenhöhe“-Bewegung) moderierte Panel „Talente, Experimente, Zellenlösungen und was das mit New Work zu tun hat“ auf die Neugestaltung der Arbeitswelt. Hier berichteten Robert Gahren von der Deutschen Bahn, Achim Hensen von TraumFerienWohnungen.de und Martin Hoffmann vom Traktorenhersteller Iseki über Transformationsprozesse in ihren Unternehmen. TraumFerienWohnungen.de und Iseki setzen stark auf Selbstorganisation und Mitunternehmertum und berichteten von den spannenden Veränderungen durch den Verzicht auf traditionelle Führungshierarchien. „Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass es Selbstorganisation keine Führungskräfte gibt“, meinte bspw. Hensen: „Statt 8 Führungskräften haben wir jetzt jedoch 120,“ womit die Mitarbeiter des Unternehmens gemeint sind. Dabei blieben auch negative Auswirkungen, wie z. B. die Fluktuation bisheriger Führungskräfte nicht unerwähnt. Hier jedoch wartete Hoffmann mit der spannenden Erkenntnis auf: „Die Teams, wo die Führungskräfte im Transformationsprozess gegangen sind, performen am besten!“ Gahren berichtete von der eigens bei der Deutschen Bahn angestoßenen Initiative „Arbeitswelten 4.0“, in der auch unter Beteiligung externer Experten Prototypen für die Arbeitswelt der Zukunft erarbeitet werden. Näheres hierzu können Sie auch im Blog der Zukunft Personal nachlesen.

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Sven Franke diskutiert mit Praktikern die Umsetzung von New Work-Maßnahmen

Arbeitswelt 4.0: „Klettergerüst statt Karriereleiter“

Eine gute Abrundung der Diskussion rund um das Messe-Motto „Arbeiten 4.0“ lieferte der Impulsvortrag „Wertewelten: Welcher Arbeitstyp sind Sie?“ von Frank Schomburg zur Studie der Beratung nextpractice (@nextpractice) in Zusammenarbeit mit der INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit, @INQAde) sowie die anschließende Diskussion mit verschiedenen Unternehmensvertretern. „Was einer als Heilsbringer empfindet, ist für andere ein No-Go!“ fasste Schomburg die Erkenntnisse der Studie zusammen, die über eine umfassende qualitative Befragung 7 unterschiedliche Wertewelten der Beschäftigten identifiziert hat. Das Ergebnis der anschließenden Diskussion war, dass „Arbeiten 4.0“ einen umfassenden Kulturwandel notwendig macht, der Diversität und Pluralität aushält und Menschen zusammenbringt, um Unterschiede sichtbar zu machen und einen gemeinsamen kulturellen Kern zu finden. Dieser Wandel müsse jedoch von allen Stakeholdern mitgetragen werden. Damit dies gelingt, ist eine umfassende Partizipation notwendig: „Wir entscheiden zu viel und einigen uns zu wenig“, meinte Schomburg dazu. Gerade das Silo-Denken stehe jedoch einer gemeinsamen Zielbildung im Wege, die unbedingt notwendig sei, da Diversity nicht per se bedeute, dass es auch ein gemeinsames Ziel gebe. Interessant war zudem der Aspekt, dass im Rahmen der Studie kaum ein signifikanter Unterschied zwischen den Wertevorstellungen der „Generation Y“ und denen der übrigen Befragten festgestellt werden konnte. „Jede Jeck ist anders!“ ist somit im Rahmen der Neugestaltung der Arbeitswelt 4.0 Versprechen wie Herausforderung zugleich…!

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Im Wertewelten-Panel werden die unterschiedlichen Perspektiven der Beschäftigten herausgearbeitet

Die Ergebnisse der Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“ finden Sie auch online zum Download unter https://www.arbeitenviernull.de/mitmachen/wertewelten/ergebnis.html. Hier können Sie auch den Selbsttest machen und herausfinden, welcher der 7 Gruppen Sie angehören. Ich habe festgestellt, dass ich wie 10 Prozent der Beschäftigten in Deutschland der Wertewelt „Sich selbst in der Arbeit verwirklichen“ angehöre  😉

wertewelten

In diesem Sinne sollten wir positiv und gespannt auf die Neugestaltung der Arbeitswelt 4.0 blicken. Seien Sie mit Grüßen aus dem Rheinland versichert: „Et kütt zwar wie et kütt – aber es hätt noch immer jot jejange…“

 

3 Kommentare

  1. […] Engelshowe, Jan C. Weilbacher und Tim Verhoeven verweisen. Den 1. Teil meines Fazit könnt Ihr hier […]

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  2. […] Hollmann: „Jede Jeck ist anders!“ – Warum es kein Patenrezept für „Arbeiten 4.0“ gibt (Fazit, Teil … Tim Verhoeven: Nachlese zur Zukunft Personal 2016 und zur […]

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  3. […] Weißbuch weiterentwickelt. Über die angesprochene nextpractice-Studie hatte ich bereits in meinem Fazit zur Messe „Zukunft Personal“ […]

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