Digitalisierung in freier Wildbahn – Interview mit Stephan Grabmeier zur HR-Safari in Berlin

Die digitale Transformation zwingt Unternehmen dazu, agiler zu werden und immer schneller auf sich ändernde Marktentwicklungen und Kundenanfragen zu reagieren. Veränderungen von Prozessen, Organisationsstrukturen sowie der Zusammenarbeits- und Führungskultur sind daher unerlässlich. Gleichzeitig fragen sich viele Unternehmer, Führungskräfte und Gestalter des Wandels in Organisationen, wie denn nun konkret diese neue digitale Arbeitswelt aussehen kann. Hier setzt die HR-Safari an, die Top-Manager auf eine New Work- und Digitalisierungsreise in die freie Wildbahn begleitet. Mit dem Mit-Initiator und „Innovation Evangelist“ Stephan Grabmeier habe ich über dieses spannende Veranstaltungsformat gesprochen.

Stephan, was ist die Idee hinter der HR-Safari und was war Deine ganz persönliche Motivation, mit der Du das Projekt mit ins Leben gerufen hast?

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Lernen in „freier Wildbahn“ (Bild: Good School)

Die HR-Safari ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Good School Hamburg, der Schule für digitalen Wandel. Wir haben auch vor der HR-Safari bereits in unterschiedlichen Projekten zusammengearbeitet. Simone Ashoff, die Direktorin der Good School und ich haben uns immer wieder die Frage gestellt, wie Lernen in Veränderungsprozessen funktioniert. Unsere Erfahrung ist, dass Lernen damit zu tun hat, Menschen aus ihrer Komfortzone zu bringen, sodass sie mit neuen Themen in Berührung kommen. Dabei haben zwei Dinge sehr gut zusammengepasst: Auf der einen Seite habe ich schon einige Innovation Journeys bei der Deutschen Telekom machen dürfen. Dort haben wir sehr früh Top-Manager ins Silicon Valley gebracht, um sie unmittelbar mit den disruptiven Veränderungen in Berührung zu bringen. Auf der anderen Seite bietet die Good School wahnsinnig innovative Lernformate an. Und aus dieser Kombination heraus ist die Idee entstanden, ein gemeinsames Format für die HR-Welt zu entwickeln. Wenn man sich Lernen in der Transformation ansieht, ist ein solches Format ein wichtiger Baustein, um die Veränderungen in Zeiten der digitalen Transformation zu verstehen – diesen Baustein mitzugestalten war meine persönliche Motivation, die HR-Safari mit ins Leben zu rufen.

An wen richtet sich die Veranstaltung und welchen Mehrwert bietet Ihr den Teilnehmern?

Der Name „HR-Safari“ deutet schon an, dass wir vor allem das Themenfeld abdecken, in dem HR-Verantwortliche unterwegs sind. Natürlich haben wir auch einen starken Fokus auf die Themen Digitalisierung und New Work. Das betrifft zum Beispiel die Fragen, in welchen Organisationsformen wir mit welchen Methoden zusammenarbeiten. Die originäre Zielgruppe sind daher HR-Verantwortliche und Gestalter von Veränderungen in der digitalen Transformation. Die HR-Safari ist keine Veranstaltung für Leute, die eher zuhören wollen – da sind sicherlich Konferenzen besser geeignet. Aber für jemanden, der nach Inspirationen sucht, eine positive Störung sucht und – ich sage immer – in den öffnenden Modus kommen will, für den ist das Format ideal. Wir haben auch gemerkt, dass sich nicht nur HR-Verantwortliche anmelden. Beispielsweise hatten wir den Leiter Konzernstrategie einer großen Bank oder den Marketingleiter eines globalen Konzerns dabei, die verstehen wollten, was New Work für sie konkret bedeutet. Wir haben also immer auch Personen außerhalb des HR-Bereichs dabei. Diejenigen Personen, die Themen wirklich vorantreiben und nicht nur zusehen. Das Format hat daher einen starken Impulscharakter.

Welches Programm können die Teilnehmer an den 2 Tagen konkret erwarten?

Die Safari ist mit viel positivem Stress verbunden – die Tage fangen sehr früh an und hören erst spät auf. Auf mehreren Stationen besuchen wir im Laufe der zwei Tage spannende Unternehmen in ganz unterschiedlichen Größenordnungen. Da ist von Konzernen die sich in der Transformation befinden, bis hin zu Start-ups alles dabei. Wir sind aber auch mal in produzierenden Unternehmen und schauen uns dort vor Ort autonome, selbstorganisierte Teamarbeit an. Diese Mischung aus großen „Tankern“, transformierten Unternehmen sowie kleinen, wendigen Start-ups macht den Reiz der Veranstaltung aus.

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Zu Besuch im Inkubator (Bild: Stephan Grabmeier)

Wir besuchen aber auch Inkubatoren, sodass die Teilnehmer live bei Pitches von Start-ups dabei sein können. Auf verschiedenen Panels diskutieren wir zudem mit Unternehmern das Thema Führung oder denken mal ganz bewusst „out of the box“. So haben wir uns zum Beispiel einmal zum Thema Talent Management eine Agentur angesehen, die YouTube-Stars managt. Da ging es dann um den Transfer, wie ich als Unternehmen die junge Generation suchen, finden und binden kann – Talent Management anders gedacht. Das machen wir, um diesen positiven Störfaktor zu erreichen.

Dadurch, dass wir sehr unterschiedliche Unternehmen besuchen, gibt es während der Veranstaltung zudem eine wahnsinnig hohe Dialogfrequenz. Die Teilnehmer reflektieren sehr intensiv und übertragen das Erlebte permanent auf ihren eigenen Kontext. Auf den letzten Safaris haben wir zudem bewusst auch mehrere interaktive Sessions gehabt. Zum Beispiel haben wir ein junges Start-up besucht, das nach der Methode „Holacracy“ arbeitet. Dort konnten wir live den Verlauf von Meetings nach der Holacracy-Methode erleben – das war ein Rollenspiel, bei dem auch die Teilnehmer selbst mitmachen konnten. So bewegen sich die Teilnehmer permanent zwischen Impulsen, eigenem Erleben und Reflektieren.

Kannst du noch einmal konkret beschreiben, wie ihr Raum für Austausch und Reflexion schafft?

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Der HR Safari Bus (Bild: Stephan Grabmeier)

Das Schöne an dem Lernformat „HR-Safari“ ist die kleine Gruppengröße von maximal 20 Teilnehmern. Wir machen die Gruppen nie größer, um eine möglichst hohe Interaktion innerhalb der Gruppe zu fördern. Bei 20 Teilnehmern sind immer sehr unterschiedliche Perspektiven hinsichtlich Unternehmensgröße, Branche oder auch Funktionen vertreten. Und das Tolle ist – und ich habe noch keine Safari erlebt, wo es nicht so war – die Menschen, die mit uns auf Safari gehen, wollen etwas verändern und verfügen über eine hohe intrinsische Motivation. Dadurch entsteht in der Gruppe eine sehr positive Energie. Zudem sind die Teilnehmer raus aus ihrer Firma und – anders als bei vielen Veranstaltungen – auch nicht im Konferenzraum eines Hotels, sondern wir setzen uns in den Bus und fahren dorthin, wo man die neue Arbeitswelt live erleben kann. Die Busfahrten selbst nutzen wir intensiv für Dialog und Reflexion. Wir mischen auch immer mal wieder die Sitzordnung im Bus durch, sodass die Teilnehmer permanent andere Gesprächspartner haben. Außerdem bieten wir live über Social Media oder eine Alumni-Gruppe die Möglichkeit zum Austausch und Transfer über die beiden Tage hinaus.

Ziel einer Safari ist ja auch immer, „Trophäen“ mitzunehmen. Welches Feedback habt ihr bei den bisherigen HR-Safaris erhalten – und was ggf. verändert?

Wir setzen uns sehr intensiv mit dem Mehrwert der besuchten Unternehmen für die Teilnehmer auseinander. Dort, wo wir zum Beispiel merken, dass das Marketing zum Thema New Work besser ist als die tatsächlich gelebte Unternehmenskultur, verändern wir das Programm entsprechend. Da hatten wir aber bisher nur sehr wenige Fälle – meist bekommen wir sehr positive Rückmeldungen.

Nach dem Besuch des nach dem Holacracy-Ansatz organisierten Start-ups hat beispielsweise ein Teilnehmer diese Methode unmittelbar als Experiment im eigenen Unternehmen umgesetzt. Auch beim Thema Design Thinking werden viele Aktivitäten angestoßen oder auch konkret als Projektanfragen an uns herangetragen, weil sich die Teilnehmer – beispielsweise vor Ort bei Designagenturen – unmittelbar vom Mehrwert der Methode überzeugen konnten. Das, was uns am meisten freut, ist jedoch, dass wir immer wieder von den Start-ups, mit denen die Teilnehmer bei den Pitches in Berührung gekommen sind, hören, dass sich im Nachhinein konkrete Anfragen oder sogar gemeinsame Projekte ergeben haben. Wir wollen den Teilnehmern ja nicht nur konkrete Einblicke in die neue Arbeitswelt geben, sondern beide Welten bewusst zusammenführen. So ermöglichen wir den Start-ups direkte Kontakte in die Unternehmen. Und auf der anderen Seite können die Unternehmen durch Pilotprojekte konkrete Experimente starten und sich Schritt für Schritt auf den Weg in die digitale Transformation machen. Ein konkretes Beispiel ist die PULS GmbH. Da war die HR-Direktorin Tanja Frederichs mit auf der HR-Safari. Tanja hat sofort Ideen aufgeschnappt und die im eigenen Unternehmen umgesetzt. Es gibt also immer wieder sehr positive Beispiele für gelungene Experimente und Transformationsprojekte.

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Über Stephan Grabmeier

grabmeierStephan Grabmeier ist Chief Innovation Evangelist in der Haufe Gruppe, einem führenden Anbieter von Talent Management Lösungen in Europa. In dieser Position verantwortet er den Auf- und Ausbau neuer Geschäftsfelder sowie die Entwicklung des Unternehmens von einer Software- zu einer Transformation Firma. Stephan Grabmeier berät Vorstände und Organisationen bei deren Digitalen Transformation und unterstützt sie dabei, schneller zu innovieren.

Homepage: http://grabmeier.haufe.de/  |  Twitter: @trill_stephan


Quelle des Artikelbilds: Good School / HR Safari

2 Kommentare

  1. […] Digitalisierung in freier Wildbahn – Interview mit Stephan Grabmeier (Sebastian Hollmann, HR S… […]

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  2. […] Journeys zum Beispiel ins Silicon Valley, Asien, Afrika, Israel oder an einer Lernreise wie der “HR-Safari” in Berlin teilnimmt. Denn auf der einen Seite erfüllen Unternehmen wie beispielsweise Zalando, das jetzt […]

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