New Work & Digital HR in freier Wildbahn – mit der HR-Safari auf Lern- und Erlebnisreise (Tag 2)

Die „Big 5“ assoziieren Personaler gewöhnlich mit dem Thema Persönlichkeit. Erfahrene Safari-Teilnehmer wissen jedoch, dass sich hinter den sogenannten „großen 5“ die Tiere verbergen, die schwierigsten zu entdecken und am gefährlichsten zu jagen sind: Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel  und Leopard. Da wir bereits ahnten, dass es schwierig würde, diese in der freien Berliner Wildbahn aufzuspüren, packten wir im Rahmen der Good School HR-Safari unseren Schulranzen und stellten uns in Zweierreihen vor dem Schulbaus auf, um uns zumindest einmal näher an die großen Tiere der zukünftigen HR-Arbeit heranzupirschen. Digitalisierung, Transformation, Innovation, Agilität und New Work hießen die Ziele auf unserer Lernreise – hier der Bericht von Tag 2.

Nachdem wir am 1. Tag der HR-Safari bereits unseren „Big 5“ in freier Wildbahn begegnet waren, standen am 2. Tag konkrete Tools und Anwendungsfälle auf dem Stundenplan. Von Employer Branding und Sourcing über die Nutzung von Enterprise Social Networks und Methoden wie „Working Out Loud“ bis hin zur Vorstellung innovativer HR-Tech-Start-ups bot auch der 2. Tag spannende und lehrreiche Eindrücke.


Tool Time

Barbara Braehmer (intercessio)


Nach einer kurzen Einführung zu den Konsequenzen der Digitalen Transformation für das Recruiting lieft „Sourcing Queen“ Barbara Braehmer im betahaus zur Höchstform auf. Der bisherige Fokus auf radikale Effizienz hilft in der digitalen Revolution nicht mehr weiter. Unternehmen müssen sich daher stärker mit den drei zentralen Bausteinen der Digitalisierung beschäftigen: Robotern und Maschinen, Software und Algorithmen sowie einem digitalen Mindset. Die bisherigen digitalen Tools beginnen um 2010 mit dem sogenannten „Web 3.0“ algorithmisch zu werden – Active Sourcing entsteht. Nun jedoch kommen zusätzlich die semantischen Algorithmen hinzu, die ein gezieltes Sourcing in digitalen Kanälen zusätzlich erschweren – denn Bots und Algorithmen sind immer nur so gut wie der User, der sie bedient.

Wie sich soziale Medien im Sourcing gezielt nutzen lassen und welche Stolperfallen es zu überwinden gilt, zeigte Barbara dann ganz konkret auf XING: Bei der Suche nach einem Software Developer mit den Suchbegriffen „Java GUI Oracle“ in München werden nämlich nicht diejenigen Kandidaten angezeigt, die diese Begriffe in ihrem Profil hinterlegt haben, informierte Barbara. Stattdessen entsteht – ähnlich wie bei den Kaufempfehlungen auf Amazon – durch den semantischen Algorithmus ein „Echoraum“, in dem immer dieselben ca. 150 Kandidaten angezeigt werden, die von ähnlich suchenden Sourcern angeklickt wurden. Durch umfangreiches Active Sourcing auf XING landen daher inzwischen 50% der Suchen ergebnislos im Echoraum.

Für das Sourcing macht es daher eher Sinn, Google nutzen, verriet Barbara einen konkreten Sourcing Hack – am besten sogar die finnische Seite, da hier der Algorithmus seltener verändert wird und dadurch weniger semantisch ist. Die Google-Suche nach „CV filetype:PDF Java GUI Oracle München -freelancer -freiberuflich“ lieferte auch prompt mehr als 7.500 Lebensläufe interessanter Kandidaten. Neben dem kostenlosen Tool „Recruit’em“ hilft auch das kostenlose eBook von intercessio beim Active Sourcing.


Employer Branding & Social Media

Robindro Ullah (HR in Mind!)


Auch Robindro Ullah setzte in seinem Vortrag konsequent auf konkrete Beispiele und zeigte anhand innovativer sozialer Medien wie musical.ly und Snapchat die aktuellen Trends und Entwicklungen bei sozialen Netzwerken und Messengern auf. Dabei ist entscheidend, dass Social Networks (z. B. Facebook, Instagram, musical.ly) im Employer Branding eine andere Strategie und auch andere KPIs benötigen als Messenger-Dienste (z. B. WhatsApp, Snapchat, ICQ). Snapchat spielt dabei deswegen eine besondere Rolle, weil es im Moment der wichtigste Innovationstreiber für viele andere Soziale Medien ist und die wesentliche Funktionen und Logiken für andere Netzwerke vorgibt – häufig lange bevor sie von diesen aufgegriffen werden. Um die Trends in den für das Employer Branding relevanten Kanälen rechtzeitig zu kennen und zu verstehen, lohnt sich daher auch ein Blick auf die Logiken von Snapchat und musical.ly.

Als einen weiteren Trends beschrieb Robindro zudem sogenannte „Memes“, die eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, für die eigenen Kampagnen Aufmerksamkeit und Reichweite zu bekommen. Memes sind sich viral verbreitende Phänomene („Naturkatastrophen des Internets“). Unternehmen, die diese Trends erkennen, können diese Wellen gezielt nutzen, um eigenen Content mit einer großen Reichweite zu platzieren – insb. in jungen Zielgruppen. Anhand einiger spannender Praxisbeispiele zeigte Robindro anschließend die Nutzung sozialer Medien für das Employer Branding.


Digitale Transformation @ Deutsche Bank

Sybille Arnegger (Deutsche Bank)


Nach einer Führung durch das innovative Filialmodell „Quartier Zukunft“ der Deutschen Bank berichtete Sybille Arnegger von der Digitalen Transformation des Unternehmens im Rahmen des Projekts „Disruptive & Strategic Programs (DSP)“. Die Digitale Transformation wird in drei zentralen Bereichen vorangetrieben:

quartier_zukunft.JPG

  1. Screen: Mitarbeiter werden nach ihrer persönlichen Vision von der Zukunft der Bank gefragt, Etablierung eines Future Councils (Trendbericht, Expertenvorträge, Crowdstorm zur Ideengewinnung) sowie Aufbau eines Customer Labs.
  2. Develop: Entwicklung neuer Geschäftsmodelle in den Feldern Classic, Near und Beyond Banking, Aufbau des Kundennetzwerks „NetworQ“ sowie einer Customer Community, die Kunden in die Entwicklung von Services integriert, Entwicklung des Filialkonzepts „Quartier Zukunft“ sowie des virtuellen Kundenmagazins Qiio.
  3. Share: Aufbau des DB Ökosystems, Installation einer Digital Academy für die Qualifizierung der Mitarbeiter, Auseinandersetzung mit „Future of Work“-Themen, Nutzung des Enterprise Social Network „myDB“ sowie der Methode „Working Out Loud“ für die interne Kommunikation.

In diesem Prozess agiert HR bislang eher als Sparringspartner des Business. Wichtige Handlungsfelder, um zu einem Treiber der digitalen Transformation zu werden, sind für HR: flexiblere Arbeitsmodelle, virtuelle Teamarbeit und die Vermittlung von für die Mitarbeiter relevanten Themen durch digitale Tools direkt am Arbeitsplatz.


Innovative HR-Arbeit

Anna Ott (hub:raum)


Zur Bewältigung der Digitalen Transformation von HR braucht es neben Mut und Experimentierfreude auch eine gehörige Portion „zivilen Ungehorsams“, ist Anna Ott vom Telekom-Inkubator hub:raum überzeugt. Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für das „einfach mal machen“-Mindset begeistert Anna die Safari-Teilnehmer für innovative Ideen wie das Abschaffen von Lebensläufen, den Einsatz von Videobewerbungen oder auch die Nutzung von Chat Bots im Recruiting.

Durch den Einsatz von Chat Bots als Job-Interface werden Kandidaten nun nicht mehr übersehen. Selbst Kandidaten, die sich nicht beworben haben, können gezielt angesprochen werden. Die Abschaffung der CVs als Filter im Recruiting-Prozess („Hire for attitude – train for skills“) sorgt für mehr Diversity im Team, da das Recruiting weniger stereotyp erfolgt. Daher gibt Anna Ott den Teilnehmern zum Abschluss als Hausaufgabe mit, sich rechtzeitig mit innovativen Technologien zu befassen und zu experimentieren.


HR Tech-Innovationen im Pitch


Als letzten Impuls des Tages bat die HR-Safari fünf spannende HR-Tech-Start-ups zum Pitch. Es war also noch einmal „Ansitzen“ auf die Schnellbote der Digitalen Transformation angesagt. In anschließenden Gesprächen mit den einzelnen Start-ups konnten wir nach den Pitches Einblicke in spannende digitale Geschäftsmodelle gewinnen – und mit Sicherheit auch die ein oder andere Anregung mitnehmen, welche Tools auch etablierten Unternehmen helfen können, die HR-Arbeit agiler und zukunftsfähiger zu gestalten.


Nach diesen zahlreichen Eindrücken fand noch eine abschließende Reflexion der „Klasse“ statt. Alle Teilnehmer verließen die letzte Stunde rundum zufrieden und mit einem prall gefüllten Schulranzen voller Inspirationen, Impulse und konkreter Ideen, von denen einige sicherlich gleich in der kommenden Woche angepackt werden.


Quelle des Artikelbilds: HR Safari / Good School

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