HR-Arbeitswelten hautnah erleben – Interview mit Prof. Dr. Simon Werther zur HR Expedition

Im Oldtimer-Bus geht es quer durch München. Was wie eine nostalgische Stadtrundfahrt durch die Isar-Metropole anmutet, ist jedoch eher eine Reise in die Zukunft. Am 17. und 18. Juli startet eine exklusive Reisegruppe ihre persönliche HR Expedition und erkundet in verschiedensten innovativen Arbeitsumgebungen die Zukunft von HR. Dabei steht der intensive Austausch genauso im Mittelpunkt wie das neugieriges Entdecken sowie zahlreiche Collaboration Sessions. Mit dem Mitinitiator Prof. Dr. Simon Werther von HRinstruments habe ich darüber gesprochen, was die Teilnehmer der HR Expedition erwartet.

Simon, was ist die Idee hinter der HR Expedition und was war Deine ganz persönliche Motivation, mit der Du das Projekt mit ins Leben gerufen hast?

Im Zuge der Digitalisierung ist eine wichtige Frage, die sich Unternehmen stellen, wie Sie noch agiler und flexibler werden können. Viele Unternehmen versuchen, dies von Start-ups zu lernen. Der Ausgangspunkt war daher, dass wir nach einem Format gesucht haben, um spannende Start-ups mit etablierten Unternehmen zusammenzubringen. Im Diskussionsprozess mit unserem Partner HRForecast ist uns dann sehr schnell der Gedanke gekommen, dass es außerdem spannend sein kann, auch die wissenschaftliche Perspektive einzubeziehen – daher arbeiten wir beispielsweise eng mit der Hochschule der Medien Stuttgart und der LMU München zusammen.

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Zudem ist auch die IHK für München und Oberbayern mit an Bord und bringt eine breite Sicht auf viele insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen mit ein. Auf vielen Konferenzen haben wir festgestellt, dass diese häufig wenig interaktiv und auch noch nicht so praxisnah sind, wie es sich viele Unternehmensvertreter wünschen. Gerade im süddeutschen Raum haben wir festgestellt, dass es noch kein vergleichbares Format gibt – sodass wir gesagt haben: Dann müssen wir diese Lücke doch schließen. Die Zielsetzung geht demnach in eine ähnliche Richtung wie die HR Innovation Roadshow, die wir letztes Jahr gemeinsam mit dem Bundesverband Deutsche Startups und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung ins Leben gerufen haben, nur dass es ein viel kleinerer und exklusiverer Rahmen ist.

Meine persönliche Motivation beruht dabei auf dem Anspruch, Brücken zu bauen zwischen verschiedenen Erfahrungswelten. Für mich müssen die Perspektiven von Start-ups, angestellten Personalern in Unternehmen als auch Wissenschaftlern nicht getrennt sein. Oft ist ein persönlicher Austausch sehr wertvoll, um gemeinsame Perspektiven festzustellen. Hierfür wollten wir einen vertrauensvollen und auch inspirierenden Rahmen schaffen – das war für mich persönlich die zentrale Motivation.

An wen richtet sich die Veranstaltung und welchen Mehrwert bietet Ihr den Teilnehmern?

Die Zielgruppe sind vor allem Personaler in Unternehmen sowie Personen, die Personalverantwortung haben. Das Spektrum reicht von Personalreferenten über entsprechende Experten bis zu Personalleitern. Zudem nehmen auch Dienstleister und Berater teil, die sich für die angebotenen Themen interessieren. Letztlich geht es darum, Personen, die selbst in der Praxis an ganz unterschiedlichen Stellschrauben in Bezug auf digitalisierte Arbeitswelten arbeiten, mit neuen Ansätzen in Kontakt zu bringen. Das schafft die Gelegenheit, bisheriges Verhalten zu hinterfragen und auch eigene Erfahrungen in die Expedition einbringen zu können. Genau darauf haben wir unser Format ausgelegt – die Teilnehmer sollen ihre eigenen Erfahrungen einbringen und wiederum selbst viele neue Impulse und Inspirationen bekommen. Häufig sind diese Inspirationen hilfreich, um die ersten Schritte zu machen und innerhalb der bisherigen Arbeit neue Akzente zu setzen – zum Beispiel in Richtung digitaler Arbeitswelten.

Welches Programm können die Teilnehmer an den beiden Tagen konkret erwarten?

bus-nosDas Programm wird wieder ähnlich sein wie im letzten Jahr, nachdem wir viele sehr positive Rückmeldungen der Teilnehmer erhalten haben. Unser Grundkonzept ist so aufgebaut, dass wir am ersten Tag mit einem alten Oldtimer-Bus verschiedene Stationen besuchen und unterschiedliche Arbeitswelten im Raum München erkunden. Am zweiten Tag gibt es letzte inhaltliche Impulse, bevor wir den Teilnehmern Raum bieten, um die Inhalte noch einmal zu reflektieren und den einen oder anderen Aspekt im Dialog zu vertiefen. Was sich über die ganze Zeit zieht, sind Sessions für Austausch und Interaktion. Begleitend nutzen wir auch schon während der beiden Tage unsere mobilen Feedback-Apps von HRinstruments für einen begleitenden Austausch und Rückmeldungen der Teilnehmer. So stellen wir eine gute Mischung aus Impulsen und Interaktion auf Augenhöhe sicher. Konkret besuchen wir sowohl Großkonzerne wie Microsoft und Telefónica (o2) als auch besonders innovative Locations wie die Design Offices oder den Impact Hub und das Münchener Technologiezentrum. Dadurch erreichen wir eine Vielzahl an ganz unterschiedlichen Impulsen – sowohl durch Personen aus Unternehmen, Start-ups und der Hochschule als auch durch den Besuch unterschiedlicher Arbeitswelten.

Kannst du noch einmal konkret beschreiben, wie ihr Raum für Austausch und Reflexion schafft?

Unsere Expeditionsteilnehmer werden zum einen durch sogenannte Guides begleitet. Das sind Vertreter der drei Veranstalter, also HRForecast, HRinstruments und der IHK. So bringen wir auch von dieser Seite unterschiedliche Perspektiven zu Themen wie bspw. Digitalisierung, Technologien oder der Umsetzung von Innovationen mit ein. Die Guides stellen für die Teilnehmer einen roten Faden zwischen den unterschiedlichen Stationen her, damit es nicht nur eine Aneinanderreihung von Orten und Vorträgen ist, sondern damit viel mehr ein Big Picture entsteht. Zudem gibt es dann an den einzelnen Stationen immer Impulsgeber – temporäre Guides, wenn man so will – aus den verschiedenen Bereichen. Von der LMU München ist z. B. Prof. Ingo Weller mit dabei, ich persönlich bin die Schnittstelle zwischen der Wissenschaft mit der Hochschule der Medien Schuttgart und der Praxis mit HRinstruments. Es sind zudem Vertreter weiterer Start-ups wie Hanno Renner von Personio oder auch von Microsoft dabei. Aus der letzten Expedition haben sich schon zahlreiche Kooperationen und ein sehr intensiver Austausch zwischen Teilnehmern untereinander oder auch den teilnehmenden Unternehmen und Start-ups ergeben. Das ist genau das, worum es uns geht. Das Thema ist zu komplex, um eindeutige Empfehlungen zum Vorgehen zu geben, sondern es geht darum, zu experimentieren und Impulse zu setzen, die im Idealfall weit über den Zeithorizont der Expedition hin mit Leben gefüllt werden.

Zudem haben wir die schon angesprochenen Collaboration Session – das sind Zeiträume, in denen 10 bis 15 Minuten kein konkreter Impuls im Mittelpunkt steht, sondern wo die Teilnehmer in kleinen Gruppen nochmal ihre Eindrücke Revue passieren lassen. Diese Reflexionen werden anschließend nochmal in einem moderierten Rahmen in der Gesamtgruppe zusammengetragen. Deswegen achten wir darauf, dass wir nur ca. 20 Teilnehmer haben, damit wir eine gute Mischung aus Abwechslung und Vertrautheit entstehen lassen können, die Raum für persönliche Gespräche bietet. So erfolgt auch immer eine Verknüpfung der Erfahrungen der Teilnehmer mit den neuen Impulsen. Wir verfolgen also einen sehr intensiven Transfergedanken, da wir nicht nur Impulse geben wollen und die Teilnehmer sich danach „erschlagen“ fühlen. Stattdessen wollen wir die Impulse mit der bisherigen Arbeitsumgebung der Teilnehmer in Verbindung bringen, um unmittelbar auch Möglichkeiten und Ansätze für die tägliche Arbeit zu identifizieren und zum Weiterdenken anzuregen.

Den Ausklang beider Tage verbringen wir mit intensiven Diskussionen, in denen wir die einzelnen Stationen und unterschiedlichen Schwerpunkten in der gesamten Expeditionsgruppe reflektieren. Und als zusätzlicher Rahmen, um direkt auch die Anwendungsmöglichkeiten für neue Tools zu zeigen, begleiten wir die ganze Expedition auch durch ein Feedback-Tool von HRinstruments. Die Teilnehmer können das Tool dann über die anderthalb Tage gleich live am Smartphone ausprobieren und sich untereinander Feedback geben – oder z. B. auch eine Art Auszeichnung für den inspirierendsten Impulsgeber vergeben. Zugleich können die Teilnehmer über das Tool auch eine Frage zu einem Thema, das sie besonders interessiert, in die Runde geben und sich dazu in Echtzeit Antworten oder ein Stimmungsbild einholen. Dadurch ist an verschiedenen Stellen eine sehr intensive Rückkopplung möglich, sowohl persönlich als auch digital – aber letztendlich immer in der Verknüpfung beider Ebenen.

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Über Simon Werther

wertherProf. Dr. Simon Werther ist Gründer der HRinstruments GmbH, die agile und partizipative Feedbackkulturen in Firmen etabliert, und Professor für Innovationsmanagement an der Hochschule der Medien Stuttgart. Er ist Mitglied der Jury des HR Innovation Award und Vorsitzender der Fachgruppe HR-Startups im Bundesverband Deutsche Startups.

Homepage: www.hr-instruments.com  |  Twitter: @HRinstruments

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