„Start-up HR“ – Interview mit Anna Kaiser und Jana Tepe von Tandemploy über Flexibilität

HR-Start-ups bringen derzeit viel frischen Wind in die Personal-Szene. In dieser Interviewreihe werden einige innovative Lösungen vorgestellt, die dafür sorgen sollen, dass die Personalarbeit in Zeiten der Digitalisierung noch einfacher, effektiver und effizienter wird. In meiner Interviewreihe „Start-up HR“ spreche ich heute mit Anna Kaiser und Jana Tepe von Tandemploy. „Arbeit. Anders.“ lautet das Motto von Tandemploy – Anna und Jana wollen die Arbeitswelt zu einem besseren Ort machen – mit ihrer Software, aber vor allem gemeinsam mit den Unternehmen und Mitarbeitern.

Was ist die Idee hinter Eurem Start-up und was war Eure ganz persönliche Motivation, mit der Ihr das Unternehmen gegründet habt? 

Bild2Anna: Mit Tandemploy entwickeln wir Software, die Unternehmen dabei unterstützt, endlich flexibel zu werden – in ihren Arbeitsmodellen und Strukturen – und somit besser gewappnet zu sein für die aktuellen Herausforderungen und Veränderungen am Markt. Gestartet sind wir mit der Jobsharing-Plattform Tandemploy.com, die auch bis heute sehr erfolgreich besteht. Mittlerweile liegt aber ein starker Fokus auf flexiblen Arbeitsformen allgemein – denn zum Thema „Flexibilisierung“ gehört immer ein ganzes Mosaik an Modellen. Unsere interne Software flex:workz flexibilisiert größere bis ganz große Firmen von innen heraus: Hier organisieren die Mitarbeiter einer Firma auf eigene Faust flexible Arbeitsmodelle und Kooperationsformen mit ihren Kollegen und finden Sparringspartner in der Firma: für ein Projekt, eine Jobrotation, ein Mentoring oder ein Jobsharing.


Wir wollen aktiv dazu beitragen, dass unsere Arbeitswelt für alle ein besserer Ort wird


Jana: Unsere Motivation war ganz klar, wirklich etwas zu verändern, aktiv dazu beizutragen, dass unsere Arbeitswelt ein besserer Ort wird für alle. Dafür müssen wir an die Ursachen und Strukturen ran – und können uns nicht auf „New Work“-Chichi an der Oberfläche beschränken. Das ist sicher „nice to have“, aber erst einmal müssen wir ans Grundgerüst.

Welchen konkreten „Need“ Eurer Kunden sprecht Ihr an und welchen strategischen und/oder operativen Mehrwert bietet Ihr Euren Kunden?

Bild1Anna: Die Flexibilisierung von Arbeitsmodellen und Strukturen ist das HR Trend-Thema in 2017 – jede Firma hat sie auf der Agenda. Doch wie geht Flexibilisierung, wo fängt man an? Wir bieten Firmen einen konkreten Einstiegspunkt mit unseren digitalen Tools und lassen vor allem HR und das Management nicht alleine. Unsere interne Software wird von den Mitarbeitern selber gesteuert – denn sie sind der stärkste und beste Hebel im Unternehmen. So werden flexible Arbeitsmodelle strategisch einsetzbar und operativ umsetzbar – und vor allem zu einem unternehmens- und erfolgskritischen Faktor, viel mehr also als Mode oder Trend.

Was genau unterscheidet Euch von anderen Anbietern auf dem Markt?

Jana: Es gibt weltweit keine vergleichbare Software, die das Thema „Flexibilisierung“ konsequent bottom-up angeht. Eigentlich verwunderlich, denn das Riesenthema „Flexibilisierung“ kann und muss niemand alleine „top-down“ iniitieren und bewältigen. So eine große strukturelle Aufgabe geht nur im Teamwork – sonst fühlen sich die Mitarbeiter auch nicht mitgenommen, reagieren müde auf erneute Veränderungen und Aktionen.


Mitarbeiter nehmen die Arbeitsgestaltung selbst in die Hand – eine Win-Win-Situation für alle


Was sind in der Praxis konkrete Einsatzzwecke/Use Cases für Euer Produkt? Könnt Ihr dazu eine kurze Success Story beschreiben?

Bild3Anna: Da gibt es viele spannende Use Cases und Einstiegspunkte. RWE und innogy zum Beispiel bieten flex:workz für all ihre Mitarbeiter an: Jeder kann sich hier im geschlossenen (RWE/innogy-gebrandeten) Raum anmelden, ein Profil anlegen, Angaben zu den gewünschten Arbeitsmodellen machen und bekommt dann automatisch Vorschläge für Kollegen, die tolle Sparringspartner sein könnten. HR und das Management bekommen authenthische (natürlich anonymisierte) Einblicke in die Bedürfnisse und Lebensphasen ihrer Mitarbeiter und können so strategisch ganz anders planen – eine Win-Win-Situation für alle.

Welche Voraussetzungen muss ich als Unternehmen schaffen, um Euer Produkt/Eure Leistung gezielt einsetzen zu können? Welche Fallstricke lauern Eurer Erfahrung nach in der Praxis und wie können diese gelöst werden?

Jana: Eine gewisse Offenheit mitbringen und sich dann trauen, einfach loszulegen. Nicht jede Situation und Eventualität kann und muss im Voraus geplant werden, vieles kommt und ergibt sich erst mit der Einführung der Software. Das macht sie aber gerade so spannend und auch wirkungsvoll: Jedes Unternehmen setzt sie etwas anders ein, wir unterstützen bei der zielgerichteten internen Kommunikation, damit die Mitarbeiter wissen, worum es hier wirklich geht: Das ist ihr Raum, um Arbeit aktiv mitzugestalten und nicht „noch so ein Tool“, welches am Ende keine sichtbare Veränderung bewirkt.


Strukturelle Veränderungen sind notwendig – passieren aber nicht von heute auf morgen


Anna: Ein Fallstrick könnte sein, dass die Software angeboten wird, Mitarbeiter selber Lösungsvorschläge entwickeln und mit Ideen auf ihre Manager zugehen – und diese dann nicht so offen reagieren, wie es eigentlich sein sollte. Das wäre ein Dämpfer bzw. stünden hier dann die kommunizierte Absicht und die Realität in Kontrast. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass gerade solche Situationen (und die Kommunikation darüber!) wichtig, ja sogar essentiell sind, um Veränderungsprozesse in Gang zu bringen und am Ende wirklich an die Substanz zu kommen. Strukturelle Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen – aber wir müssen sie heute anstoßen, um in 10 Jahren noch überlebensfähige Unternehmen zu haben.


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Über Anna Kaiser und Jana Tepe

Tandemploy_3808_edit_1920x1280px_WEB-LARGEAnna Kaiser (links) und Jana Tepe (rechts) sind die Gründerinnen und Geschäftsführerinnen von Tandemploy. Mit ihrem Team entwickeln sie HR-Software, die Firmen bei der Flexibilisierung ihrer Arbeitsmodelle und Strukturen unterstützt – bottom-up getrieben durch die eigenen Mitarbeiter. In ihrem Unternehmen leben sie bereits vor, wie es gehen kann:  Sie selber teilen sich die Geschäftsleitung im Jobsharing, alle Mitarbeiter arbeiten in flexiblen Arbeitsmodellen und legen ihre Stundenzahl individuell fest. Zuletzt haben sie die starre 40-Stunden-Stelle abgeschafft. Beide kennen sich aus ihrem vorherigen Job in der Berliner Personalberatung i-potentials, wo sie Kolleginnen waren und gemeinsam die Idee zu Tandemploy entwickelten.

Homepage: www.tandemploy.com|  Twitter: @Tandemploy


Quelle des Artikelbilds: Tandemploy

ein Kommentar

  1. […] „Interview mit  Tandemploy über Flexibilität“ […]

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