„Start-up HR“ – Interview mit Matthias Schleuthner von 4scotty über IT-Recruiting

HR-Start-ups bringen derzeit viel frischen Wind in die Personal-Szene. In dieser Interviewreihe werden einige innovative Lösungen vorgestellt, die dafür sorgen sollen, dass die Personalarbeit in Zeiten der Digitalisierung noch einfacher, effektiver und effizienter wird. In meiner Interviewreihe „Start-up HR“ spreche ich heute mit Matthias Schleuthner von 4scotty, einem Start-up, das durch Reverse Recruiting dafür sorgt, dass sich Unternehmen bei IT-Talenten bewerben.

Was ist die Idee hinter Eurem Start-up und was war Deine ganz persönliche Motivation, mit der Du das Unternehmen (mit-)gegründet hast?

Wir möchten in erster Linie überholte Prozesse und Strukturen im Recruiting aufbrechen und es Kandidaten und Unternehmen so einfach wie möglich machen sich zu finden und kennenzulernen. Darum spielt bei unserem Modell Transparenz eine entscheidende Rolle. Jeder Beteiligte soll direkt wissen für wen er Zeit investiert und was die Rahmenfaktoren sind. Alle Fakten liegen deshalb vorab auf dem Tisch. Das spart beiden Seiten viel Zeit.

Ich habe zuvor lange Jahre meine eigene Headhunting-Firma mit dem Fokus auf die Digitalwirtschaft betrieben und in erster Linie IT & Software-Experten vermittelt. Das Geschäft auf der Spezialistenebene wurde von Jahr zu Jahr mühsamer und unrentabler. Nicht selten musste man über 300 Kandidaten ansprechen, um eine Software-Entwickler Position zu besetzen. Deshalb beschäftigte ich mich schon länger mit dem Gedanken einen digitaleren Weg einzuschlagen. Ich hatte allerdings großen Respekt vor den technischen Herausforderungen einer solchen Plattform. Es war daher Glück, dass ich meinen jetzigen Partner traf, der eher aus der technischen Richtung kommt. So konnten wir unser unterschiedliches Know-how und unsere vielseitigen Erfahrungen ideal miteinander verknüpfen.


Die klassischen Recruiting-Kanäle sind verstopft durch Massen von Stellenanzeigen und „Active Sourcern“


Welchen konkreten „Need“ Eurer Kunden sprecht Ihr an und welchen strategischen und/oder operativen Mehrwert bietet Ihr Euren Kunden?

Das ist einfach zu beantworten, denn es gibt kaum ein Unternehmen, das diesen „Need“ nicht hat. Wir bringen Unternehmen sehr einfach und rein erfolgsbasiert in Kontakt mit händeringend gesuchten IT & Software Spezialisten. Der Wirtschaft fehlen seit Jahren über 40.000 Experten in diesem Bereich und diese Zahl wird aufgrund der Digitalisierung und Demographie noch weiter wachsen.

Die klassischen Recruiting-Kanäle sind zudem verstopft durch Massen von Stellenanzeigen und „Active Sourcern“. Die Personaler sind genervt von schlechten Rücklaufquoten und die Kandidaten von unpassenden Ansprachen. Deswegen halten wir es für sinnvoll eine Plattform zu schaffen, die mit einer Kombination aus Automatiserung und unserem menschlichen Recruiter-Auge Kontaktaufnahmen so filtert, dass sich jeder nur mit relevantem Kontaktaufnahmen befassen muss. Das wird von unseren Nutzern sehr geschätzt.

Um das zu bewerkstelligen müssen wir natürlich selbst große Anstrengungen unternehmen. Sei es im Marketing, im Service, in der Ansprache der anspruchvollen Zielgruppe als auch mit der Bereitstellung einer sehr guten Applikation.

Was genau unterscheidet Euch von anderen Anbietern auf dem Markt?

Das ist nicht so leicht zu beantworten und schwer zu vergleichen, weil wir ja ein neuer Kanal zusätzlich zu den bisher bekannten sind. Wir positionieren uns irgendwo zwischen Jobbörsen, Xing & Co. und Personaldienstleistern. Letztlich nehmen wir aus allen Ansätzen das Beste heraus und kombinieren das in unserem Modell. Die Vorteile von Jobbörsen (Sichtbarkeit & Employer Branding), von Xing & Co. (aktives Zugehen auf die Zielgruppe) und von Headhuntern (intensiver Kundenservice mit Begleitung des Auswahlprozesses).


Gerade bei qualifizierteren Jobprofilen wird das Bauchgefühl weiterhin eine starke Rolle spielen


Was uns aber eindeutig unterscheidet, insbesondere von neuen Anbietern auf dem HR-Markt oder aus der HR-Tech Szene, ist, dass wir nicht glauben die Recruiting-Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft rein technisch lösen zu können. Es wird sicher HR-Bereiche geben, wo die Technik immer stärker Einzug halten wird. Aber gerade im Recruiting und bei qualifizierteren Jobprofilen wird der menschliche Bauch weiterhin eine starke Rolle spielen beim Finden den richtigen Kollegen und anders herum. Wir glauben daher an die Zukunft der Hybrid-Modelle, der Kombination aus Mensch und Technologie.

Kannst Du dazu eine kurze Success Story beschreiben?

Meine Lieblingserfolgsstory ist die von einem unserer frühen Kunden: Zwei-Mann-Unternehmen am Bodensee, ein Jahr einen Senior Entwickler vergeblich gesucht, nach drei Wochen über uns einen passenden neuen Mitarbeiter gefunden.

Die Erfahrung zeigt, dass gerade kleinere und mittelständische Unternehmen oder solche die keinen Namen am Arbeitsmarkt haben, sehr erfolgreich bei uns sind. Wo sie in Stellenmärkten aufgrund fehlenden Budgets untergehen, keine Kapazitäten für Active Sourcing haben oder sich keinen Headhunter leisten können, können sie sich bei uns ihrer Zielgruppe präsentieren. „Uns kennt zwar keiner, aber schau mal, wir haben eine super Idee, eine tolle Technologie und eine top Kultur.“ Kandidaten kommen so mit Unternehmen in Kontakt, die sie ansonsten nie auf den Schirm bekommen hätten.

Der eine oder andere Konzern ist auch erfolgreich bei uns, wir merken allerdings, dass sich größere Unternehmen doch schwer tun ihre gewachsenen Prozesse an uns anzudocken. Das ist auch durchaus verständlich, denn man hat jahrelang einen Prozess gebastelt und den stellt man nicht mal einfach um, weil es da einen neuen Anbieter wie uns gibt. Hier wird es aber auch eine positive Entwicklung geben – Schlagwort Digitalisierung – da sind wir sehr zuversichtlich.


4scotty stellt die „Leads“ zur Verfügung und das Unternehmen geht in seinen eigenen Auswahlprozess


Welche Voraussetzungen muss ich als Unternehmen schaffen, um Euer Produkt/Eure Leistung gezielt einsetzen zu können? Welche Fallstricke lauern Deiner Erfahrung nach in der Praxis und wie können diese gelöst werden?

Die Nutzung ist zunächst einmal sehr einfach. Durch die reine Erfolgsorientierung muss das Unternehmen nur etwas Zeit investieren, sein Profil aufsetzen und schon kann es losgehen. Wir haben uns auch nicht auf die Fahnen geschrieben, die Prozesse der Recruiting-Abteilungen ändern zu wollen. Vielmehr stellen wir die „Leads“ zur Verfügung und das Unternehmen geht in seinen eigenen definierten Auswahlprozess.

Die Probleme liegen daher häufig eher in den unternehmensinternen Prozessen, die oft einfach zu lange dauern. Wir knüpfen schnell den Kontakt zwischen Kandidaten und Unternehmen und dann muss der weitere Auswahlprozess sich effizient und nahtlos anschließen. Denn eines ist klar, gerade im IT-Recruiting muss man schneller als die vielfältige Konkurrenz sein. Dazu gehört den Kandidaten zügig mit den richtigen Ansprechpartnern in der Firma zu verdrahten, Gespräche ohne großen zeitlichen Abstand zu führen sowie rasches und offenes Feedback zu geben. Die Candidate Experience muss bei der Zielgruppe einen Turbo eingesetzt bekommen, ansonsten ist der Kandidat weg. Aus unserer Erfahrung hakt es oft daran, dass die Recruiter die Techie-Profile – verständlicherweise – technisch nicht bewerten können und deshalb oft dem ebenfalls beschäftigten Fachbereich hinterher rennen müssen. Hier helfen klar definierte Service-Level mit der suchenden Abteilung. Gesprächstermine zu finden sind oft eine weitere große Hürde.

Aufgrund dessen unterstützen wir mit unserer Erfahrung den gesamten Prozess, helfen dem HRler bei der Vorauswahl, halten die Kommunikation zum Kandidaten aufrecht und moderieren die einzelnen Schritte, um zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen.


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Über Matthias Schleuthner

matthiasDer Diplom-Kaufmann Matthias Schleuthner ist seit 15 Jahren als Personalberater tätig: Er gründete vor mehr als 10 Jahren selbst die IT-Personalberatung HRM und kennt daher die Wünsche von IT-Experten und Unternehmen und auch die Schwächen der traditionellen Bewerbungsrituale bis ins kleinste Detail. Mit 4scotty fokussiert er sich auf genau diese hochrelevante Zielgruppe.

Homepage: www.4scotty.com |  Twitter: @4scottycom


Quelle des Artikelbilds: 4scotty

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