„Start-up HR“ – Interview mit Arno Senoner von retime über das Managen mobiler Mitarbeiter

HR-Start-ups bringen derzeit viel frischen Wind in die Personal-Szene. In dieser Interviewreihe werden einige innovative Lösungen vorgestellt, die dafür sorgen sollen, dass die Personalarbeit in Zeiten der Digitalisierung noch einfacher, effektiver und effizienter wird. In meiner Interviewreihe „Start-up HR“ spreche ich heute mit Arno Senoner von retime, einer Anwendung, die Unternehmen dabei hilft, mobile Mitarbeiter und Teams besser zu managen.

Was ist die Idee hinter Eurem Start-up und was war Deine ganz persönliche Motivation, mit der Du das Unternehmen (mit-)gegründet hast?

Das Ziel von retime ist es, mobile Mitarbeiter und Teams besser zu managen. Dazu werden Personalprozesse automatisiert und digitalisiert. Informationen liegen in Echtzeit und ohne Medienbruch vor. Ziel ist es Mitarbeiter wie Arbeitgeber zu entlasten und Ressourcen für sinnvollere Tätigkeiten freizumachen, z. B. mehr Zeit für den Mitarbeiter zu haben und mehr Volumen bei gleichen Ressourcen zu leisten.

Übergeordnet ist die Vision: Lassen wir die Maschinen das machen, was sie am besten können, nämlich rechnen, prüfen, Daten erfassen und bereitstellen. Und lassen wir die Menschen im Personalwesen wieder das machen, wozu sie da sind.


Mehr Zeit für den Mitarbeiter – lassen wir die Personaler wieder das machen, wozu sie da sind


Was war denn konkret der erste Funke für diese Idee?

Als bestehendes Softwarehaus hatten wir einen Kunden aus dem Personalleasing Technologien gezeigt, an denen wir damals arbeiteten. Das waren digitale Ausweise und Firmenkommunikation via Messaging. Der Kunde meinte: „Toll – aber wartet, da gibt es in unserer Industrie noch weitere Probleme, die auf eine Lösung warten!“

So hat alles in 2015 angefangen. Unsere Kunden in Arbeitnehmerüberlassung, Pflege und Event führten Personalprozesse analog, fragmentiert, redundant und zeitverzögert aus. Dadurch entstanden hohe Kosten und Zeitverlust. Konkret zum Beispiel die Erfassung von Zeit oder Projektzeit. Dies erfolgte oft noch auf Papier oder Excel. Die Daten kamen spät und sind oft fehlerhaft, oft mit Absicht. Und die Daten mussten nochmal manuell erfasst und geprüft werden. Ergebnis: hoher Aufwand, Manipulation und verspätete Abrechnung. Auch die Kommunikation fand oft per Telefon, Mail, SMS, WhatsApp oder gar Facebook oder schwarzem Brett statt. Die Auftragsverwaltung: wurde free-style gemacht, denn der Chef oder die Mitarbeiter „haben ja alles Kopf“.

Die Personaler haben daher oft gar keine Zeit mehr für die Mitarbeiter. Sie sind zu reinen Bürokraten geworden, die händeringend einen veralteten Umgang mit Daten und Informationen zu verwalten versuchten. Da lag also viel im Argen. Die Kunden wussten aber oft selbst dass es so nicht weiterging. Sie bekamen selbst Druck vom Markt oder wollten Leistungen anbieten, die analog nicht abzubilden sind.

Welchen strategischen und/oder operativen Mehrwert bietet Ihr Euren Kunden?

Wir bündeln Personalprozesse, die bisher fragmentiert und analog ausgeführt werden, in einer Anwendung. Wir beenden auch eine Informations-Assymetrie, bei welcher der Mitarbeiter draußen mehr wusste als seine Vorgesetzten in der Zentrale. Aber wir denken selbstverständlich genauso an den Mitarbeiter. Wir vereinfachen seine administrativen Aufgaben und erlauben ihm volle Konzentration auf seine Tätigkeit.
Auch der Mitarbeiter erhält alle Infos und Daten in Echtzeit.

Was genau unterscheidet Euch von anderen Anbietern auf dem Markt?

Wir konzentrieren uns auf mobile Mitarbeiter und bieten alle operativen Prozesse in einer Lösung an. Dabei bemühen wir uns sehr, wirklich innovative Ansätze in Funktionalität und Benutzerführung zu realisieren. Wir wollen den negativen, behäbigen Touch, den HR heute oft hat, vergessen machen.


Eine unterbrechungsfreie digitale Prozesskette, die alle operativen Schritte in einer Lösung bündelt


Was sind in der Praxis konkrete Einsatzzwecke/Use Cases für Euer Produkt? Kannst Du dazu eine kurze Success Story beschreiben?

Für instant-jobs-Anbieter bilden wir eine unterbrechungsfreie digitale Prozesskette ab: Kandidat bewirbt sich, wird zum Mitarbeiter – Aufträge werden erstellt – Aufträge werden Mitarbeitern angeboten – Mitarbeiter sagen verbindlich zu – Mitarbeiter dokumentieren Aufträge digital – Anbieter rechnet mit Kunden ab. Für Pflege-Anbieter setzen wir die Abfrage amtlicher Informationen, automatisierte Verträge und die digitale Information der Familienmitglieder um.

Unbenannt

Welche Voraussetzungen muss ich als Unternehmen schaffen, um Euer Produkt/Eure Leistung gezielt einsetzen zu können? Welche Fallstricke lauern Deiner Erfahrung nach in der Praxis und wie können diese gelöst werden?

Wichtig ist, dass die Unternehmen wissen, was sie wollen. Und vor allem, was genau sie verbessern wollen. Deswegen sprechen wir am Beginn sehr intensiv mit den Kunden: Wo tut es weh? Um welche Prozesse geht es? Was kann man vereinfachen? Denn wenn man versucht, die dysfunktionalen analogen Prozesse as-is digital nachzubilden wird man gar keine Vorteile realisieren können.

Technisch gibt es als SaaS-Lösung wenig Voraussetzungen: Es gibt es keine lokale Hardware oder zu installierende Software. Wenn retime in die bestehende IT-Infrastruktur integriert werden soll, geschieht das in Absprache mit der IT-Abteilung. Mitarbeiter benötigen aktuell noch ein Smartphone, aber wir erschließen gerade weitere Medien.

Fallstricke sind zu komplizierte Sonderfälle oder -wünsche oder sehr komplexe Unternehmensstrukturen. Arbeitsrechtliche oder datenschutzrechtliche Fragen sind zu beachten, können aber in der Regel geklärt werden: Der Gesetzgeber und zuständige Behörden sind da in Deutschland überraschend fortschrittlich, da ist mancher Personaler oft aus Angst bürokratischer als das Gesetz es verlangt.


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Über Arno Senoner

arno

Arno Senoner ist Gründer und Geschäftsführer der retime GmbH. Der studierte Publizist, der einen MBA für Innovation und Entrepreneurship der WU und TU Wien hat, gründete bereits mehrere Unternehmen.

2012 gründete Arno Senoner retime – dabei ist es sein Antrieb, „HR in Bewegung zu versetzen“, damit sich Personaler wieder stärker auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können.

Homepage: www.retime.eu  |  Twitter: @retimegmbh


Quelle des Artikelbilds: retime GmbH

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