„Start-up HR“ – Interview mit Daniel Spitzer und Simon Tschürtz von 100 Worte über den Einsatz von Sprachanalysen zur Motiverkennung

HR-Start-ups bringen derzeit viel frischen Wind in die Personal-Szene. In dieser Interviewreihe werden einige innovative Lösungen vorgestellt, die dafür sorgen sollen, dass die Personalarbeit in Zeiten der Digitalisierung noch einfacher, effektiver und effizienter wird. In meiner Interviewreihe „Start-up HR“ spreche ich heute mit Daniel Spitzer und Simon Tschürtz von 100 Worte. Das Heilbronner Startup hat eine Software entwickelt, die aus geschriebenen Texten Rückschlüsse auf Persönlichkeitsmerkmale von Bewerbern zulässt.

Was ist die Idee hinter Eurem Start-up und was war Eure ganz persönliche Motivation, mit der Ihr das Unternehmen (mit-)gegründet habt?

Die Idee hinter unserem Start-Up 100 Worte ist es, den Menschen wieder in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen. Dabei geht es darum, das Unbewusste in der Kommunikation transparent zu machen. Studien haben gezeigt, dass sich in der Sprache eines Menschen persönliche Eigenschaften abbilden. Diese Erkenntnisse können in vielen Bereichen angewendet werden – der Personalauswahl, dem Employer Branding oder auch der Mitarbeiterzufriedenheit innerhalb des Unternehmens. Die persönliche Motivation liegt also darin, die Beziehung zwischen Menschen und das Verständnis für Menschen zu verbessern sowie bewusste und unbewusste Kommunikation transparent und verständlich zu machen.

Daniel ist bereits während seines Psychologie-Studiums mit der Sprache des Menschen und der damit verbundenen Rückschlüsse auf seine Persönlichkeit in Kontakt gekommen und hatte die Idee, eine Software zu entwickeln, die aus geschriebenen Texten die Persönlichkeit des Verfassers erkennen kann. Als Daniel mit der Idee auf mich zukam, war ich sofort begeistert. Danach ging es Schlag auf Schlag und wir haben im April die GmbH angemeldet.


„Im War for Talents entscheiden Feinheiten, ob sich zukünftige Mitarbeiter bewerben oder nicht.“


Welchen konkreten „Need“ Eurer Kunden sprecht Ihr an und welchen strategischen und/oder operativen Mehrwert bietet Ihr Euren Kunden?

Wir lösen mit unserem Tool eigentlich zwei Probleme. Im heutigen War for Talents entscheiden Feinheiten, ob sich zukünftige Mitarbeiter bewerben oder nicht. Dabei hat sich gezeigt, dass eine zielgruppenspezifische Ansprache im Sinne von sprachpsychologischen Merkmalen dazu führt, dass sich mehr Bewerber angesprochen fühlen. Das Problem ist, dass Mitarbeiter, die die Ausschreibungen formulieren, keine Hilfe haben, die Qualität der Ausschreibung richtig einzuschätzen. Hier helfen wir, die richtigen Worte zu finden.

Im zweiten Schritt helfen wir dabei, Bewerber zu finden, die optimal zu einer Stelle passen würden. Gerade in der frühen Phase werden pro Bewerbung oft nur 30 Sekunden Zeit aufgewendet, um sich für oder gegen den Bewerber zu entscheiden – gänzlich auf der Basis der fachlichen Kompetenzen. Eine intensivere Beschäftigung mit den Bewerbungen potenzieller Kandidaten kostet Zeit und Geld. Mit unserem Produkt, dem Competence-Monitor, werden nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch die Soft Skills der Bewerber berücksichtigt, sodass freie Stellen mit dem passenden Bewerber besetzt werden können. In Summe sorgen wir also einerseits dafür, dass Ausschreibungen die zukünftigen Mitarbeiter besser ansprechen und im zweiten Schritt zu einer besseren Vorauswahl, die Ressourcen spart.

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Was genau unterscheidet Euch von anderen Anbietern auf dem Markt?

Der 100 Worte-Algorithmus zerlegt Sprache in ihre einzelnen Bestandteile, sodass wir die grundlegenden Motive, Gefühle und Bedürfnisse des Menschen messen können. So wird nicht nur die Inhalts-, sondern auch die Beziehungsebene betrachtet. Wettbewerber im direkten Umfeld sind Precire und IBM mit dem Personality Insights. Allerdings sind diese Verfahren technologisch mit einem anderen Fokus oder rein für die englische Sprache erstellt worden. Wir bieten unsere Analyse aktuell für die deutsche und englische Sprache an, planen jedoch künftig eine Erweiterung auf andere Sprachen wie Spanisch oder Französisch.

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Unser USP ist es, dass wir langjährige psychologische Forschung mit Data Mining verbinden. Genau diese Kombination ist weltweit einzigartig und unterscheidet uns somit von anderen Anbietern. Außerdem arbeiten wir mit unterschiedlichen Universitäten und Hochschulen zusammen, um unsere Methodik ständig zu verbessern, beispielsweise mit dem psychologischen Lehrstuhl der Universität Heidelberg. Unter anderem haben wir hier die Emotionsvorhersage validiert und konnten so im Vergleich zu anderen Lösungen die besten Ergebnisse erzielen.


Durch die Verbindung psychologischer Forschung mit Data Mining können Motive besser erkannt werden


Was sind in der Praxis konkrete Einsatzzwecke/Use Cases für Euer Produkt? Könnt Ihr dazu eine kurze Success Story beschreiben?

Unsere Lösungen im HR-Bereich richten sich vor allem an mittelständische bis größere Unternehmen, die durch die erleichterte Personalauswahl Zeit und Geld sparen können.
Wir haben beispielsweise Stellen für eine Führungskraft angepasst. Das interessante dabei war, dass die Ausschreibungen überhaupt nicht zu den Motiven der Stellenanforderung passten. Mit unserem Tool haben wir dafür gesorgt, dass diese angesprochen wurden, was zu Bewerbern geführt hat. Einer unserer Kunden konnte durch unsere Lösung auf ein drittes Kennenlerngespräch verzichten, da er schneller ein Bild vom zukünftigen Mitarbeiter hatte.

Die Erkenntnisse, die bei uns einfließen, sind nicht neu. McClelland hat beispielsweise 1982 schon nachgewiesen, dass eine Auswahl anhand von Motiven zur Steigerung von berufsrelevanten Merkmalen wie einer höheren Arbeitszufriedenheit oder höheren unternehmerischen Erfolgen führt.

Welche Voraussetzungen muss ich als Unternehmen schaffen, um Euer Produkt gezielt einsetzen zu können? Welche Fallstricke lauern Eurer Erfahrung nach in der Praxis und wie können diese gelöst werden?

Wir haben uns dafür entschieden, keine reine Applikation für den HR Bereich umzusetzen, da unsere Stärke im Umgang mit Sprache liegt. Deswegen haben wir unser Produkt sehr offen gestaltet, um eine einfache Anbindung an vorhandene Tools zu ermöglichen.

Probleme können entstehen, wenn die aktuell vom Unternehmen genutzte Software die Integration des Competence-Monitors erschwert; das müssen wir dann aber im Einzelfall prüfen. Am einfachsten ist es dabei, dass der Wunsch zur Integration beim Softwarehersteller genannt wird. Das erleichtert eine Integration deutlich. Da wir zu Beginn mit PoCs arbeiten, können Unternehmen auch ohne Integration mit unserer Lösung arbeiten – hierfür haben wir ein eigenes Dashboard entwickelt.


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Über Daniel Spitzer und Simon Tschürtz

100worteDaniel Spitzer hat Psychologie an den Universitäten in Heidelberg und Mannheim studiert. Er ist der Kopf hinter der Sprachanalyse und hatte die Idee dazu bereits während seines Studiums. Simon Tschürtz ist studierter Maschinenbauer und Data Scientist. Sein Arbeitsbereich ist die Unternehmensentwicklung. Er ist damit der Ansprechpartner bei allen Fragen rund um das Unternehmen. Gemeinsam haben beide im April 2017 die 100 Worte Sprachanalyse GmbH mit Sitz in Heilbronn gegründet, die heute rund 10 Mitarbeiter zählt.

Homepage: www.100worte.de  |  Twitter: @100_Worte


Quelle des Artikelbilds: 100 Worte

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